„Denkwürdige“ Frauen aus Krems
Die Raumforscherinnen haben sich auf die Suche nach Frauen aus Krems gemacht, an die im öffentlichen Raum in Krems  durch Straßennamen oder Gedenktafeln erinnert wird. Sie sind erst bei genauerem Hinsehen fündig geworden: Von 473 Straßen und Plätzen in Krems waren 2017 fünf Straßen nach Frauen benannt. Offensichtlich sind mehr Straßen einem Josef gewidmet, als einer  Frau!
Erinnerungstafeln oder Denkmäler für Frauen sind im Kremser Stadtraum ebenfalls nur wenige zu finden: Mit dem Simandlbrunnen gibt es ein – fragwürdiges – Denkmal, das der Simandl-Legende folgend eine anonyme Frau portraitiert. Die Frau spricht in dominanter Position auf ihrem vor ihr knienden Mann ein. Zudem sind  vier Gedenktafeln für Frauen angebracht: Zwei davon erinnern an die Mutter bzw. Großmutter bedeutender Männer (Maria Anna Lager die Mutter von Franz Liszt, Eva Rosina Altmann die Großmutter von Mozart). Eine andere Tafel verweist auf die aufgrund ihrer NS-Affinität umstrittene Schriftstellerin Maria Grengg und eine Tafel auf Anna Lambert, die als Jüdin vertrieben wurde.
Auch in der Kremser Lokalgeschichte sieht es nicht viel besser aus. Frauen werden in Kremser Lokalgeschichtsbüchern kaum mit individuellen Leistungen genannt. In das Buch „Ihre Liebe galt Krems. 100 Kremser Persönlichkeiten von Gozzo bis Wilhelm (Hans Frühwirth, Kulturamt Krems, 1997) wurden vier Frauen aufgenommen: zwei davon als Ehefrauen bedeutender Männer (Margarethe von Dachsberg, Magdalena Kappler), sowie die bereits genannte Liszt-Mutter Maria Anna Lager und die umstrittene Schriftstellerin Maria Grengg.

Daher startete das Projekt DenkMAL!DenkWÜRDIG?! KremserInnen suchen ihre denkwürdigen Frauen (Leitung: Martina Scherz, wissenschaftl. Biografienforschung: Edith Blaschitz) 2018 mit dem Aufruf,  sich an „denkwürdige“ Kremserinnen zu erinnern, sie zu recherchieren und Wissenswertes über sie einzusenden. Trotz intensiver Bewerbung, u.a. durch die Stadt Krems, gab es nur Hinweise zu 15 Frauen mit „besonderen Leistungen“  – was zeigt, dass auch im lokalen Gedächtnis nur wenige „denkwürdige“ Kremserinnen verankert sind.

Durch ergänzende wissenschaftliche Recherchen der raumforscherinnen wurden insgesamt an die 70 „denkwürdige Frauen aus Krems und Umgebung gefunden, deren Geschichten und Leistungen so relevant sind, sodass sie auch Spuren in der Geschichte und im öffentlichen Raum von Krems hinterlassen sollten. Es entstand eine erste Sammlung unterschiedlichster Geschichten und Lebenswege „denkwürdiger Frauen aus verschiedenen Jahrzehnten und Jahrhunderten und aus verschiedensten Lebensbereichen.

Fortsetzung folgt … Ausstellung „Wo sind sie geblieben? Die Frauen von Krems“
Die Suche nach Frauenbiografien und -geschichte wurde für die Ausstellung „Wo sind sie geblieben? Die Frauen von Krems“ (Konzept u. wissenschaftliche Leitung: Edith Blaschitz und Martina Scherz)1 im museumkrems 2021 fortgesetzt.  Hier wurden nicht nur Frauen aufgenommen, die sich durch besondere Leistungen hervorgetan haben, sondern die auch aus unterschiedlichen Gründen historisch relevant waren oder eine öffentliche Wahrnehmung erhielten. Bislang wurden  120 Frauen gefunden und deren Biografien gesammelt oder neu geschrieben. Zudem wurden Informationen zu  121 jüdischen Mädchen und Frauen  zusammengetragen und recherchiert, die aus Krems vertrieben wurden, flüchten konnten oder ermordet wurden. Manche Biografien sind nur bruchstückhaft, sollten Sie daran weiterarbeiten wollen oder weitere Informationen haben, kontaktieren Sie uns!

Es tut sich was …..
Mittlerweile wurden mit der Margarethe Deißenberger-Gasse und dem Therese Mahrer-Park zwei weitere Frauen im Kremser Straßenraum sichtbar. Im März 2021 wurde die Maria Grengg-Gasse in Margarete Schörl-Gasse umbenannt und im Frühsommer 2021 im Gemeinderat beschlossen, eine Straße nach Theresia Rotter zu benennen.

Kennen auch Sie eine bereits verstorbene „denkwürdige“ Frau, an die auch öffentlich erinnert werden sollte und die zumindest zeitweilig in Krems oder Umgebung lebte? Hier  haben Sie die Möglichkeit zur Nennung!

Siehe auch: Podiumsdiskussion „Wo sind sie geblieben? Die Frauen von Krems“
(Teilnehmende: Edith Blaschitz/Donau-Universität Krems, Sylvia Treudl/Unabhängiges Literaturhaus Niederösterreich, Oliver Rathkolb/Universität Wien, Moderation: Gregor Kremser/Kulturamt Krems), Juni 2021.

Die Aktionsreihe RAUMFORSCHERINNEN wurde gefördert von:

 

 

Fußnoten

  1. Erste Überlegungen gem. mit Mitgliedern der Stabsstelle für Gleichstellung, Gender und Diversität und Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen der Donau-Universität Krems (Michaela Gindl, Alexandra Koschier, Maja Radosavljevic) sowie Andrea Brunner-Fohrafellner.