Margarete Schörl
Pädagogik-Pionierin

„Selber denken macht gescheit!“ Vieles, was in der heutigen Kindergartenpädagogik selbstverständlich ist, oder gerade wiederentdeckt wird, geht auf eine zurück, die in Krems gelebt und gearbeitet hat: Margarete Schörl, Ordensfrau der Englischen Fräulein und österreichische Reformpädagogin. Margarete Schörl kam 1912 in Wien als Kind des Juweliers Johann Schörl, Schätzmeister und Direktor des Wiener Dorotheums und seiner Frau Leopoldine zur Welt. Margarete war vier Jahre alt, als ihr Vater starb. Die Mutter heiratete wieder und die Familie zog nach Bad Ischl. Ihr früher Zugang zu Kunst und Kultur beeinflusste ihre Pädagogik. Ihr war es wichtig, Kinder früh an die Kunst heranzuführen und ihnen schöne Eindrücke zu ermöglichen. Margarete war erst zehn Jahre alt, als ihre Mutter starb und ihre Tante sie in Rohrendorf aufnahm. Ihre schulischen Leistungen waren schlecht, denn es ging ihr nicht gut. Der Pädagogin Schörl war es später ein Anliegen, dass sich Erzieherinnen immer wieder und zuerst fragen: „Wie geht es dem Kind, jedem einzelnen in meiner Gruppe?“ Nach ihrer Ausbildung an der Höheren Lehranstalt für Frauenberufe am Institut der Englischen Fräulein in Krems entschloss sie sich im Institut zu leben und als Kandidatin einzutreten. 1937 legte M. Schörl die Fachprüfung als Kindergärtnerin ab.
In die Arbeitswelt stieg Schörl als Erzieherin in Familien in Schiltern und Bad Reichenhall ein. Sie führte Aufzeichnungen über ihre Beobachtungen der Entwicklung des kindlichen Zeichnens und nahm eine Schallplatte über die Sprachentwicklung der Kinder auf. Auch ein Film – „Unsere Jugend versteht das Kind“ – entstand und wurde ausgezeichnet.
Nach Kriegsende übernahm Schörl die Leitung des Kindergartens in völlig leeren Räumen des Kremser Institutshauses der Englischen Fräulein. Von der traditionellen Kindergartenpädagogik wandte sie sich ab und entwickelte, basierend auf präzisen Beobachtungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse, eine am Kind orientierte Kindergartenpädagogik, der oberstes Ziel die „Führung der Kinder zu Mitmenschlichkeit“ war. Sie entwarf neue Kindergartenausstattungen, welche von Tischlern vor Ort umgesetzt wurden. 1948 drehte Schörl den Film „Im Kindergarten“, der von der Bundesstaatlichen Filmbildstelle Wien übernommen und zu Unterrichtszwecken eingesetzt wurde. Es folgten zwei weitere Unterrichtsfilme. Ihre Vortragstätigkeit und ihre Fortbildungskurse weiteten sich auf Deutschland, Holland und die Schweiz aus. Ausgehend von dem von ihr entwickelten „Raumteilverfahren“ – der Einteilung des Kindergartens in Bereiche, die den Kindern ermöglichen in kleinen Gruppen oder ungestört einzeln zu spielen – besuchte und beriet sie Kindergärten an Ort und Stelle. Gerne zeigte Schörl ihren Kindergarten in Krems und ließ die Besucher*innen dort hospitieren. Gemeinsam mit der Kindergartenpädagogin Margarete Schmaus entstanden drei Fachbücher.
Schörls Kindergarten wurde 1979 – trotz Protesten – von der Institutsleitung u.a. wegen finanzieller Schwierigkeiten und Raummangels geschlossen. Es wird deutlich, dass das Institut der Englischen Fräulein zu dieser Zeit die Bedeutung dieses Kindergartens und die Arbeit und das Werk ihrer Mitschwester nicht genügend erkannte. Schörl setzte ihre Kurstätigkeit in Deutschland fort, die sie 1982 aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. 1991 starb Schörl im Institutshaus der Englischen Fräulein in St. Pölten. 2021 wurde nach Beschluss des Kremser Gemeinderates die umstrittene Maria-Grengg-Gasse in Margarete-Schörl-Gasse umbenannt.
(Martina Scherz)

Quellen:
Info: Anna Ruschka, Doris Kloimstein (Verein DenkRaum Schörl-Pädagogik. Gesellschaft für Pädagogik der frühen Kindheit); Riedel, Brigitta: Selber denken macht gescheit! Pädagogisch arbeiten im Kindergarten – Ein Facharbeitsbuch zur Schörlpädagogik. Bad Salzdetfurth, 2003; https://de.wikipedia.org/wiki/Margarete_Sch%C3%B6rlhttps://www.keb-net.de/Media/Hannover/Schoerl_2017/2018%2003%2026%20Berger%20Manfred%20Sch%C3%B6rl%20nifbe.pdf; https://www.keb-net.de/Hannover/Aktuelles/Schoerl;

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