Imma von Bodmershof (auch: Ehrenfels v. Bodmershof)
Schriftstellerin, Gutsbesitzerin

(Foto: 
Dokumentationsstelle für Literatur in NÖ)

Geb. am 10.8.1895 in Graz als Emma Lilly Isolde von Ehrenfels. Ihr Vater Christian Julius Freiherr von Ehrenfels (1859 –1932) war Philosoph und Vordenker der Gestaltpsychologie, ihre Mutter war Emma Maria Anna von Ehrenfels (1863–1946, geb. André, verw. von Hartmann). Ihr Bruder Rolf (1901-1980), verheiratet mit der Schriftstellerin Elfriede Ehrenfels, trat 1927 unter dem Namen Omar zum Islam über, 1938 Emigration über Griechenland nach Indien, dort Professor für Anthropologie.
Imma  wuchs im elterlichen Schloß Lichtenau im Waldviertel auf. Sie studierte an den Universitäten Prag und München Kunstgeschichte, Philosophie und Graphologie und verlobte sich 1913 mit dem Philosophen Norbert von Hellingrath, der 1916 vor Verdun fiel.  Sie gehörte  zeitweise zum Kreis von Norbert von Hellingrath und Stefan George, Freundschaft mit Rainer Maria Rilke. 1924 Heirat mit Wilhelm (Schuster) von Bodmershof (gest. 1970, Bruder von Elfriede Ehrenfels), promovierter Volkswirt  und Religionsforscher mit dem Schwerpunkt fernöstlicher Religionen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann verwaltete Imma eines der  landwirtschaftlichen Güter der Familie Ehrenfels in Rastbach bei Gföhl. Das Ehepaar Bodmershof wandte sich nationalsozialistischen Kreisen zu, Wilhelm von Bodmershof wurde bereits 1933 NSDAP-Mitglied.
1937 erschien Imma von Bodmershofs erster Roman. Ihre Erzählungen und Romane sind stark traditions- und heimatverbunden. Für den Roman „Sieben Handvoll Salz“ (1958) erhielt sie den Österreichischen Staatspreis für Literatur. Pionierin der deutschsprachigen Haiku-Dichtung, die sie ab den 1960er Jahren veröffentlichte. 1959 –1979 kulturpessimistisch geprägter Briefwechsel mit Martin Heidegger. Imma von Bodmershof starb am 26.8.1982 in Gföhl. Sie wurde am Friedhof von Moitzreith beigesetzt. 1995, zu Ehren ihres 100. Geburtstages, wurden in Rastbach und Gföhl Gedenksteine errichtet.

Ausz.: 1959 Großer Österreichischer Staatspreis für Literatur, 1965 Kulturpreis des Landes Niederösterreich, 1969 Preis der Stadt Wien für Literatur und Ehrenkreuz für Kunst und Wissenschaft Erster Klasse, Ehrenbürgerin von Rastbach.

Werke: Der zweite Sommer (1937), Die Stadt in Flandern (1939; 1952 unter: Das verlorene Meer), Begegnungen im Frühling, Erzählung (1942), Die Rosse des Urban Roithner, Roman (1950), Solange es Tag ist (1953), Sieben Handvoll Salz , Roman (1958), Die Bartabnahme, Erzählung (1965, 1966 unter: Ibarras Bartabnahme), Unter acht Winden (1962), Haiku (1962), Sonnenuhr, Haiku (1970), Mohn und Granit vom Waldviertel (1976), Im fremden Garten. 99 Haiku (1979), Wo die Träume wohnen. Das Waldviertel (1997), Pieger, Bruno (Hg.): Briefwechsel 1959–1976. Martin Heidegger – Imma von Bodmershof (2000).
(Edith Blaschitz)

Quellen:
Ilse Korotin (Hg): BiografiA: Lexikon österreichischer Frauen. Wien, u.a. 2016; https://de.wikipedia.org/wiki/Imma_Bodmershof; https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_E/Ehrenfels_Christian_1859_1932.xml; https://www.gedaechtnisdeslandes.at/personen/action/show/controller/Person/person/bodmershof.html; https://haiku.de/files_doc/98-Miesen.pdf; Cécile Cordon: Zwischen Hölderlin und Hitler. Die Schriftstellerin Imma Bodmershof und ihre Zeit (1895-1982). Leipzig: Eudora 2020.

 

Imma von Bodmershof
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