Annie Rosar (auch: Rose Bernd)
Schauspielerin

Annie Rosar in ihrem Wachauer Weingarten, In: Mein Film, 1935, Heft 515, S. 18

Geboren in Wien am 17.5.1888. Sie stammte aus einfachen Verhältnissen, der Vater Michael Rosar war Straßenbahnschaffner (Mutter: Agnes, geb. Mikula), mehrere Geschwister. Annie Rosar besuchte das Mädchenlyzeum, danach die Akademie für darstellende Kunst in Wien und die Akademie für dramatische Kunst in Mailand. 1907 Heirat mit Max Walser, einem Schweizer Exportkaufmann, ein Sohn (René Rebiczek-Rosar wurde 1943 im Alter von 22 Jahren als Soldat an der Ostfront getötet).
Annie Rosar debütierte als Schauspielerin 1910 am Lustspieltheater von Johann Jarnos in Wien und war dann als jugendliche Heldin am Münchner Schauspielhaus und in Hamburg tätig (als Rose Bernd). Von 1918 bis 1924 war sie  am Wiener Burgtheater verpflichtet, wo sie klassische und moderne Frauenfiguren darstellte (griechische und deutsche Klassiker, Shakespeare, Ibsen). Von 1925 bis 1938 spielte sie  in der Josefstadt unter Max Reinhardt. Hier übernahm sie auch komische Rollen. Weitere Stationen: 1939–1944 am Volkstheater, 1945–1947 am Wiener Bürgertheater und 1947–1951 wieder am Volkstheater.
Seit 1919 war Annie Rosar auch für den Film tätig. Ihre Filmkarriere nahm in den 1930er Jahren Fahrt auf. Sie wurde vor allem durch ihre komischen Rollen – vorwiegend in österreichischen, aber auch in deutschen – Produktionen populär und verkörperte oft Schwiegermütter, Pensionsbesitzerinnen oder Haushälterinnen und Köchinnen, u. a. in „Unsterbliche Melodien“ (A 1935, R.: Heinz Paul) und „13 Stühle“ (D 1938, R.: E.W. Emo). Nach dem „Anschluss“ 1938 konnte sie nicht nur ihre Theater- sondern auch ihre Filmkarriere ungebrochen weiterführen. Sie trat weiterhin oft in Unterhaltungs- und Historienfilmen auf (u.a. Wien-Film, Bavaria-Film), so in „Meine Tochter wohnt in Wien“ (D 1940, R.: E.W. Emo), oder „Wen die Götter lieben“ (D 1942, R.: Karl Hartl).
Eine von ihren üblichen Darstellungen abweichende Rolle war die der Donata Opferkuch im Melodram „Die goldene Stadt“ (D 1941/1942, R.: Veit Harlan). Rosar bezeichnete diese Arbeit mit dem Regisseur Veit Harlan, der zuvor den  antisemitischen NS-Propagandafilm „Jud Süß“ (D 1940) gedreht hatte, in einem Interview 1942 als ihre „bisher schönste“.1 „Die goldene Stadt“ war der zweite deutsche Spielfilm in Farbe und mit über 30 Millionen Kinobesucher*innen einer der erfolgreichsten Spielfilme der NS-Zeit. Das deutsche Bauernmädchen Anna (Kristina Söderbaum)  wird in Prag vom Tschechen Toni Opferkuch verführt und erwartet ein Kind. Der Film stellt das „reine“ deutsche Bauerntum den „verderbten“, als Slawen minderwertig dargestellten,  Bewohner*innen der Stadt Prag gegenüber, die von Toni und seine Mutter Donata repräsentieren werden. Rosar bezeichnet Donata in dem Interview als „geradezu widerliche Rolle“ und zeigt sich erstaunt über den Erfolg, den sie damit feiert.2 Die „Reinheit des Blutes“ wird im Film bewahrt, Anna begeht Selbstmord. Wegen seiner rassistischen Inhalte wurde der Film nach 1945 zunächst verboten, ab 1954 aber wieder in gekürzter Fassung gezeigt.
Auch Annie Rosar setzte ihre erfolgreiche Filmtätigkeit mit Komödien und Heimatfilmen nach 1945 fort, so u.a. in „Hallo Dienstmann“ (A 1951/52, R.: F. Antel) und „Der veruntreute Himmel“ (A 1958, R.: Ernst Marischka). Auch in den Wachau-Heimatfilmen „Die Lindenwirtin vom Donaustrand“ (A 1957, R.: Hans Quest) und „Heimweh, dort wo die Blumen blühen“ (A 1957, R.: Franz Antel) spielte sie mit. Ihr Bezug zur Region war eng. Nachdem ihre erste Ehe geschieden worden war, heiratete sie 1930 den

Franz Rebiczek und Annie Rosar, in: Der Tag, 30.5.1930

Schriftsteller und Referenten im Wiener Stadtschulrat Franz Rebiczek (auch Rebiczek-Rosar, Rebizek, geb. 1891 in Taus, Böhmen, gest. 1961 in Krems). Der studierte Jurist, der sich für die Sozialdemokratie engagierte, übersiedelte nach seiner politisch begründeten Entlassung 1934 nach Krems  und betrieb dort neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit auch das von seinem Vater übernommene Weingut. Obgleich es Vorwürfe der Kollaboration mit dem NS-Regime gab, wurde er nach Kriegsende kurzfristig als Bezirkshauptmann von Krems eingesetzt, später als Stellvertreter. Annie Rosar beteiligte sich bis zu ihrer Scheidung von Franz Rebiczek aktiv am Kremser Kultur- und Gesellschaftsleben. Sie „(brachte) die Hochkultur der Bundeshauptstadt ins damals provinzielle Krems“, schreibt Kurt Preiss rückblickend.3
Dritte Ehe mit Ladislaus Fuchs, Holzimporteur in Mailand. Annie Rosar starb am  5.8.1963 in Wien. Ihr Ehrengrab befindet sich am Wiener Zentralfriedhof.

Ausz., Mitglsch.: 1950 40-jähriges Bühnenjubiläum am Volkstheater, 1958 Ehrenmedaille der Stadt Wien, 1961 Goldener Bambi (Deutscher Filmpreis), Ehrenkreuz Erster Klasse für Kunst und Wissenschaft (1961).
(Edith Blaschitz)

Quellen:
Ilse Korotin (Hg): BiografiA: Lexikon österreichischer Frauen. Wien, u.a. 2016. (Tagblattarchiv/Personenmappe; L.: Bamberger 1966, BLÖF, Kosch 1953, Müller 1970, Prominenz der Republik Österreich 1962, Teichl 1951, Wagner 1992, Wedel 2010, Wer ist Wer in Österreich 1953, Die Presse; 15.5.1958, ÖTZ 17.5.1958, WW 27.5.1950); Preiss, Kurt: Von der Befreiung zur Freiheit. Krems 1945-1955. Krems 1997, S. 32-36;
https://de.wikipedia.org/wiki/Annie_Rosar;
https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Annie_Rosar;
https://www.deutsche-biographie.de/gnd130136867.html#ndbcontent;
https://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/die-goldene-stadt-von-veit-harlan/;
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_goldene_Stadt;

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Franz_Rebiczek

https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=tag&datum=19300522&query=%22Franz+Rebiczek%22&ref=anno-search&seite=12;
https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwj&datum=19270814&query=%22Franz+Rebicek%22&ref=anno-search&seite=12;
https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=krz&datum=19300520&query=%22Franz+Rebiczek%22&ref=anno-search&seite=11; https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=bue&datum=19390025&query=((text:%22Annie+Rosar%22))&ref=anno-search&seite=35;
https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=krz&datum=19421213&query=%22Annie+Rosar%22&ref=anno-search&seite=6;
https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vob&datum=19421214&query=%22Annie+Rosar%22&ref=anno-search&seite=4;
https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=dkv&datum=19421220&query=%22Annie+Rosar%22&ref=anno-search&seite=6;
https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=dkv&datum=19430704&query=%22Annie+Rosar%22&ref=anno-search&seite=6

Filmografie:
Siehe filmportal.de

Annie Rosar

Fußnoten

  1. Das kleine Volksblatt, 20.12.1942, S. 2
  2. Ebd.
  3. Preiss, S. 36.
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