Lizzi Waldmüller
Operettensängerin, Theater- und Filmschauspielerin

(Foto: L. Strelow, Europeana)

Lizzi Waldmüller wurde am 25. Mai 1904 in Knittelfeld (Stmk.) als Felicitas Karoline Müller geboren. Ihre aus Wien gebürtigen Eltern waren die Schauspielerin Felice Waldmüller geb. Pfeiffer (1877-1944) und der Schauspieler und Direktor eines Wandertheaters Wilhelm Waldmüller (1872-1932).
Im Sommer 1905 ließ sich das Ehepaar mit seinen drei Töchtern Jola (Jolanthe, *1903), Lizzi (Felizitas, *1904) und Mela (Melitta, *1905) in Krems nieder, wo der Vater die Leitung des Stadttheaters übernahm und es in den Theatersaisonen (Sept.-April) von 1905/06 bis 1908/09 und 1910/11 leitete und als Schauspieler mitwirkte und auch die Mutter Felice Waldmüller als Schauspielerin und Soubrette tätig war. Die Töchter, vor allem Lizzi Waldmüller, wurden bei den Produktionen als Kinderdarstellerinnen eingesetzt.

Lizzi Waldmüller als „Heinerle“ (Foto aus: H.E.Weinschenk: Wie wir Schauspieler wurden, 1943)

Die kleine Lizzi trat in Krems sowohl in Märchenvorstellungen für Kinder auf, aber auch 1908 erstmals als 4½jährige in der Rolle des Heinerle in der Leo-Fall-Operette „Der fidele Bauer“, 1910 in Raimunds „Verschwender“ und Karl Schönherrs „Karrnerleut“, 1911 in Karl Anzengrubers Drama „Stille Nacht“, in Schönherrs „Glaube und Heimat“ und in Gerhart Hauptmanns „Die versunkene Glocke“.
Nach der Aufführung des Pariser Stückes „Zwei kleine Vagabunden“ von Pierre Decourcelle schrieb die in Krems erscheinende Österreichische Land-Zeitung vom 25.3.1911 über die erst 6jährige: „Möge sie der Beifall und die Anerkennung, die ihr in dieser Rolle zuteil wurde, auf ihrer Bühnenlaufbahn, die sie doch sicherlich einschlagen wird, stets begleiten.“1 Die aus entwicklungspsychologischer Sicht künstlerisch bereits so frühen prägenden Jahre in Krems waren sicher ausschlaggebend dafür, dass sich Lizzi Waldmüller dann tatsächlich für den Bühnenberuf entschied.

Nachdem sich die finanzielle Situation der Provinztheater u. a. auch wegen der zunehmenden Konkurrenz der Kinos immer schwieriger gestaltete, beendete das Ehepaar Waldmüller mit dem Ende der Kremser Saison am 1. April 1911 nach mehr als zwanzig Jahren seine Theaterarbeit und übersiedelte nach Innsbruck, wo der Vater die Direktion des neuerrichteten Triumph-Kinos übernahm.
Lizzi Waldmüller blieb der Bühne durch regelmäßige Auftritte am Innsbrucker Stadttheater treu. Bis 1917 sind regelmäßige Auftritte der zuletzt 13jährigen dokumentiert. Nach der Pflichtschule besuchte sie die Kunstgewerbeschule und nahm Bühnen- und Gesangsunterricht. 1925 debütierte sie 20jährig in der französischen Operette „Mamselle Nitouche“ von Hervé am Stadttheater Innsbruck, wo sie bis 1928 blieb.
Nach einem Gastspiel am Hamburger Operettenhaus 1927 ging sie 1928 ans Stadttheater Graz, wo sie auch an Kabarett-Abenden des Grazer Radiosenders der Ravag mitwirkte. Bereits im Mai 1929 wurde sie an die Marischka-Bühnen nach Wien geholt (Theater an der Wien und Neues Stadttheater). 1930 folgen Auftritte am Stadttheater, ein Hugo-Wiener-Programm an der Femina Revuebühne, Wiener Festwochen, „Bettelstudent“, „Fledermaus“ und „Gräfin Mariza“ am Theater an der Wien, danach Deutschland: Uraufführung von Lehárs „Schön ist die Welt“ in Berlin und dann der ganz große Erfolg, Paul Abrahams Operette „Viktoria und ihr Husar“, mit Lizzi Waldmüller erst in Leipzig und dann Berlin aufgeführt, die sie über Nacht in Deutschland zum Operettenliebling macht.
1931 holt Max Reinhardt sie ans Sprechtheater: Im Theater in der Josefstadt steht sie in der von Berta Zuckerkandl ins Deutsche übertragenen französischen Gesellschaftssatire „Das schwache Geschlecht“ (womit hier die Männer gemeint sind) neben den Jungschauspielerinnen Adrienne Gessner, Paula Wessely und Hedy Kiesler auf der Bühne. Weitere Partner/innen Waldmüllers in Theater und Operette waren Richard Tauber, Gitta Alpár, Curd Jürgens, Hans Moser, Paul Hörbiger und Karl Farkas.
1933 gibt sie am Wiener Volkstheater das „Bezaubernde Fräulein“ von Ralph Benatzky unter der Regie von Heinrich Schnitzler. Ihr Bühnenpartner ist Max Hansen, der ihr Lebensgefährte wird. Es folgen Auftritte in Berlin, Dresden, Holland, Wien, Stockholm. Zwischen Berlin und Wien pendelt die begeisterte Autofahrerin gerne mit dem eigenen Wagen.

Angebote von MGM und später von Paramount, nach Hollywood zu gehen, hatte sie stets abgelehnt. Nichtsdestotrotz nimmt der Film eine zunehmende Rolle in ihrem Schaffen ein. Ihr Leinwanddebüt gab Lizzi Waldmüller 1931 in der Filmkomödie „Die spanische Fliege“. 1932 folgten der Kriminalfilm „Strafsache van Geldern“ und die Musikkomödie „Liebe auf den ersten Ton“ mit Adele Sandrock, 1933 „Lachende Erben“ mit Heinz Rühmann unter der Regie von Max Ophüls, sowie 1934 das Drama „Peer Gynt“. Nachdem ihr Partner Max Hansen wegen seiner politischen Haltung in Deutschland angefeindet wurde, ging sie mit ihm 1936 nach Schweden, wo sie beide in dem Exilantenfilm „Rendezvous im Paradies“ mitwirkten.
Ihr Durchbruch zum Filmstar kam jedoch erst mit dem 1938 gedrehten Willi-Forst-Film „Bel Ami“, in dem sie das bis heute bekannte Lied „Du hast Glück bei den Frau’n, Bel Ami“ interpretierte. Ab diesem Zeitpunkt gab es in den neun noch folgenden Unterhaltungsfilmen nur noch Hauptrollen für sie, so in „Casanova heiratet“ mit Karl Schönböck, „Traummusik“ mit Marte Harell und Benjamino Gigli, „Frau Luna“ mit Karl Schönböck und Theo Lingen, „Alles für Gloria“ mit Leo Slezak, „Die Nacht in Venedig“ mit Heidemarie Hatheyer, „Liebeskomödie“ mit Magda Schneider, Theo Lingen und Rudolf Carl, „Ein Walzer mit dir“ von Hubert Marischka mit Grethe Weiser, „Es lebe die Liebe“ mit Johannes Heesters. Zahlreiche ihrer Filmsongs nahm Waldmüller auch auf Schallplatte auf.
Ihr letzter Film, „Ein Mann wie Maximilian“ mit Wolf Albach-Retty, 1944 in Prag gedreht, kommt am 13.3.1945 in die Kinos. Dreieinhalb Wochen später, am 8. April 1945, verliert Lizzi Waldmüller beim letzten Fliegerangriff auf Wien in ihrer Wohnung am Franziskanerplatz 1 ihr Leben. (Ehrengrab am Friedhof Wien 14., Hadersdorf-Weidlingau.)
(Anton H. Paschinger)

Anton H. Paschinger arbeitet an einer Biografie über Lizzi Waldmüller.

Lizzi Waldmüller

Fußnoten

  1. Siehe https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=olz&datum=19110325&query=%22Waldm%c3%bcller%22&ref=anno-search&seite=10
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