Anny (Anna) Vietoris
NS-Gaufrauenschaftsleiterin

Geb. Severus, Edle von Laubenfeld und Ciminago; Vater Viktor von Severus (1859-1919) war als Generalmajor in Krems stationiert, Mutter Anna (geb. Rotter, gest. 1935 in Krems). Anny studierte Pharmazie (unklar, ob sie abschloß) und begann 1922 als Praktikantin in einer Apotheke in Krems zu arbeiten. 1930 wechselt sie in eine Apotheke in Lilienfeld. Heirat mit dem Arzt Franz Vietoris (1893-1945), der auch als Gefängnisarzt im Zuchthaus Stein tätig war, drei Kinder. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme war Anny Vietoris zunächst Kreisfrauenschaftsleiterin, ab 1939 Frauenschaftsleiterin des Gaus Niederdonau mit Dienstelle in Wien. Als überzeugte Nationalsozialistin trat sie mit Durchhalteparolen bis Kriegsende an die Öffentlichkeit. Im Mai 1945 begann sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Selbstmord.
(Edith Blaschitz)

Bericht im „Völkischen Beobachter“ über die Rede von Anny Vietoris anläßlich einer Großkundgebung der Ortsfrauen der  Kreise Krems und Gföhl im Dezember 1944, die gemeinsam mit Gauleiter Jury abgehalten wurde: 
„Ich kann mir, so sagte sie (A. Vietoris, Anm.), als Frau ganz gut denken, daß der Führer, der für uns alle arbeitet und schafft, jetzt weit Dringenderes zu tun hat. Außerdem weiß Adolf Hitler, daß er sich auf sein deutsches Volk voll und ganz verlassen kann. (…) Auch wenn Adolf Hitler jetzt nur noch selten zu uns spricht, weil ihm die Zeit dazu fehlt, wissen wir aus unserem Glauben heraus, was wir zu tun haben. Wüßten wir das nicht, dann könnte uns vielleicht in der gegenwärtigen Zeit manches bedrücken. Besonders auch die deutsche Frau Irägt einen unerschütterlichen Glauben im Herzen, der sie niemals wanken läßt. Sie ist genau so wie der deutsche Mann bereit, alle Opfer auf sich zu nehmen und diesen Krieg durchzustehen. (…) Parteigenossin Vietoris fügte einen Appell an die Mädchen und Frauen von 18 bis zu 40 Jahren hinzu, die sich freiwillig, wenn es nur immer angeht, als Wehrmachthelferinnen melden mögen, um Soldaten, die an der Front gebraucht werden, in der Heimat zu ersetzen. Jedes Mädchen, das in das Wehrmachthelferinnenkorps eintritt, macht einen Mann für den Verteidigungskampf des deutschen Volkes frei.“
(Zit. nach „Völkischer Beobachter“; 6.12.1944, S. 4, https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vob&datum=19441206&query=%22Krems+Vietoris%22~10&ref=anno-search&seite=4)

Quellen:
https://www.geni.com/people/Anna-Severus/6000000091850151962
http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=vob&datum=19440809&query=%22Anny+Vietoris%22&ref=anno-search&seite=6
http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ppr&datum=19300823&query=%22Anna+Severus%22&ref=anno-search&seite=10
http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=php&datum=19200428&query=%22Anna+Severus%22&ref=anno-search&seite=5
http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=daz&datum=19360313&query=%22Anna+Severus%22&ref=anno-search&seite=8
http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=olz&datum=19150203&query=%22Viktor+Severus%22&ref=anno-search&seite=2
https://www.findbuch.at/adressbuch-krems-und-stein-1931
https://forum.axishistory.com/viewtopic.php?t=83263&start=60 (informelle Quelle, muss überprüft werden)
Weinrich, Berthold / Plöckinger, Erwin: Niederösterreichische Ärztechronik: Geschichte der Medizin und der Mediziner Niederösterreichs. Wien 1990, S. 385; Preiß, Kurt: Krems im Jahre 1945. Ereignisse, Entwicklungen, Erinnerungen. Verein für Geschichte d. Arbeiterbewegung. Krems 1994, S. 55.

Anny Vietoris
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