Anna Tischler-Weber
Malerin

Anna Tischler-Weber, Selbstportrait (museum krems)

Geb. 1888 in Laibach (Slowenien). Anna Tischler kam mit ihrer Familie nach Krems nachdem ihr Vater, Josef Tischler, als Inspektor der k.k. Tabakfabrik von Klagenfurt nach Stein an der Donau versetzt wurde. Sie erhielt ihre erste künstlerische Ausbildung noch an der Kunstgewerbeschule in Klagenfurt, später dann als Privatschülerin bei Wilhelm Gause (1853-1916), einem der zu dieser Zeit angesehensten Künstler der Stadt Krems. Mit dessen ebenfalls künstlerisch tätigen Tochter Mini (Wilhelmine) verband sie eine enge Freundschaft. Beide beteiligten sich an zahlreichen Ausstellungen, die österreichische Volkszeitung schrieb im August 1904 anlässlich einer Kunstausstellung im Wiener Dorotheum über Annas Bilder: „…ebenso Landschaften eines starken, jungen Talentes, einer Schülerin Gauses, Fräulein Anna Tischler, die sich den gegenwärtig besten Wiener Malerinnen anreihen läßt“.
Ihre Motive fand sie in der unmittelbaren Umgebung ihres Wohnortes – in Krems, Stein und den umliegenden Ortschaften. Schon früh wurde die farbliche Wirkung ihrer Gemälde lobend erwähnt, die sich durch leuchtende, wenig vermischte Farben und einen plastisch wirkenden Malduktus auszeichnen. Ihr 1904 auf der zweiten Czernowitzer Kunstausstellung präsentiertes Bild „Gasse in Stein“ wurde, „was die Kultur des Farbensehens betrifft, als das beste der ganzen Ausstellung“ bewertet.
1919 wurde Anna Tischler Mitglied des Wachauer Künstlerbundes, aus dem sie aber bereits 1922 wieder austrat. Hier kam sie vermutlich ihrem Malerkollegen Rudolf Weber näher. Ab 1921 hatten beide ihren Wohnsitz an der Adresse Steiner Landstraße Nr. 4, den Bund der Ehe schlossen sie allerdings erst sechs Jahre später, nach dem Tod von Rudolf Webers erster Ehefrau. Die Künstlerin signiert ihre Werke von da an auch mit „Weber Tischler“ oder „Tischler Weber“. Von Zeitgenossinnen wird sie als bescheiden, ruhig und zurückhaltend beschrieben. Trotz ihrer hohen Produktivität und der zeitlebens großen Nachfrage nach ihren Bildern ließ sie ihrem Mann, dem bekannten Wachaumaler Rudolf Weber, stets den Vortritt und trat als eigenständige Künstlerpersönlichkeit nicht aus seinem Schatten. Sie starb 1955 in Krems, ihr Grab befindet sich am Friedhof Stein.
(Sabine Laz)

Anlässlich der Ausstellung des Münchner Kunstvereins, 1902: „In dieser Woche begegnen wir zwei jungen Damen, offenbar zwei Anfängerinnen, Wilhelmine Gause und Anna Tischler, mit einigen recht erfreulichen Landschaften, die entwicklungsfähige Talente verrathen (…).“ (zit. nach Krug, Wolfgang: Wachau. Bilder aus dem Land der Romantik. Weitra: Bibliothek der Provinz 2020, S. 250)

Quellen:
folgen in Kürze

 

Anna Tischler-Weber