Anna Lambert
Jüdische Überlebende, Krankenschwester, Autorin

Anna Kohn wurde 1906 als erstes Kind von Samuel und Amalia Kohn in Krems geboren. Sie hatte drei jüngere Geschwister: Rosa, Johann und Richard. Der Vater betrieb einen Gemischtwarenhandel in Krems und war in der Sozialdemokratischen Partei organisiert. Der Tod der Mutter 1922 bedeutet einen großen Einschnitt für die Familie. Das Leben war ab diesem Zeitpunkt von großer Armut geprägt, so wurde Richard in einem jüdischen Waisenhaus in Wien untergebracht. Anna war immer selbstbewusst und kämpfte darum, ihren Lebensweg und ihre Zukunft selbst bestimmen zu können. So wehrte sie sich gegen eine von ihrem Vater gewünschte Hochzeit.
Nach ihrer Heirat 1929 übersiedelte Anna nach Baden bei Wien und später nach Bad Vöslau. Durch den sogenannten „Anschluss“ an das Deutsche Reich und die Einführung der Nürnberger Rassegesetze war die Lebenssituation für Juden in der „Ostmark“ bedroht. Anna, die mit einem Christen verheiratet war, traute diesem Schutz durch die Ehe nicht und floh mit ihren beiden Söhnen – gegen den Willen des Mannes – nach England. Ihr Bruder Richard/Esra floh nach Palästina und Johann konnte ebenfalls nach England emigrieren. Rosa wurde ein Opfer der Shoa. Der Vater starb 1938 noch in Wien.
In England arbeitete Anna nach Absolvierung der Ausbildung zur Krankenschwester und Hebamme bis zu ihrer Pensionierung als Bezirkskrankenschwester in St. Osyth. In den ersten Jahren waren ihre Söhne bei Pflegefamilien untergebracht. Ab 1945 konnte sie nach ihrer Ausbildung wieder selbst für ihre Kinder sorgen. Sie ließ sich von ihrem österreichischen Mann scheiden und heiratete erneut.
Durch das Projekt „Juden in Krems“ kam der Historiker Robert Streibel in Kontakt mit Anna Lambert und ermutigte sie, ihre Lebenserinnerungen zu vollenden. Diese erschienen 1992 unter dem Titel „Du kannst vor nichts davonlaufen“. In der Folge gestaltete Gerhard Nidetzky im ehemaligen Kremser Wohnhaus der Familie Kohn in der Schwedengasse 2 eine Ausstellung, danach wurde der Künstler Leo Zogmayer beauftragt, ein Denkmal zu konzipieren. Zwei Kuben mit einer Petition gegen Rassismus und Antisemitismus, die mehr als 300 Personen unterschrieben hatten, wurde in die Grundmauern des Steinertores eingemauert. Eine Gedenktafel verweist ebenfalls auf das ehemaliges Wohnhaus von Anna Lambert. Sie starb 2003 in Pool.
(Robert Streibel)

Werk: Anna Lambert: Du kannst vor nichts davonlaufen. Erinnerungen einer auf sich selbst gestellten Frau. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Robert Streibel. Wien: Picus 1992.

 

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