Dora Maria Kahlich-Koenner
Anthropologin

Geb. Persenbeug a. d. Donau, NÖ, 5.12.1905, gest. Wien, 28.3.1970. Lebenspartner: Verheiratet mit Herbert Kahlich (1914 –44), Anthropologe, beteiligt an D.K.-K.s Untersuchungen im Versorgungshaus Lainz.
Ausbildungen: 1924 Matura an der Lehrerinnenbildungsanstalt der Englischen Fräulein in Krems, LBA-Matura 1924, anschließend Inskription als außerordentliche Hörerin Geographie und Germanistik an der philosophischen Fakultät der Universität Wien, kurz vor Beendigung des Studiums 1929 Wechsel zum Studium der physischen Anthropologie, Nebenfach Paläontologie, 1934 Promotion.
Laufbahn: Noch vor Beendigung des Studiums Mitarbeiterin am Anthropologischen Institut in der „Erbbiologischen Arbeitsgemeinschaft“ des Institutsvorstands Josef Weninger; 1934–36 wissenschaftliche Hilfskraft am Anthropologischen Institut, Betreuung der Institutsbibliothek und des Archivs anthropologischer Fotografien, Betreuung der Kontakte mit den Instituten der medizinischen Fakultät; Unterstützung Weningers bei dessen Tätigkeit als gerichtlicher Sachverständiger in Vaterschaftsprozessen; 1936–1945 Assistentin am Institut (zunächst als dritte, unbesoldete Assistentin, ab April 1938 als besoldete Assistentin); im Herbst 1938 Untersuchungen an Wiener Juden im Versorgungshaus Lainz, 1938–45 NS-Abstammungsgutachterin, im Juli 1941 am Institut für Erb- und Rassenhygiene an der Universität Prag, „Kurzlehrgang über erbbiologische Methoden“; 1942 Expedition ins polnische „Generalgouvernement“, Vermessung der Bewohner einer volksdeutschen Siedlung, seit 1942 einzige ausgebildete Anthropologin des Anthropologischen Instituts.
Nach 1945 keine Rückkehr ans Anthropologische Institut, 1959 Privatassistentin von Ordinarius Leopold Breitenecker am Gerichtsmedizinischen Institut, neuerlich Vaterschaftsgutachten, seit den 1960er Jahren Spezialisierung in Serologie, vor allem Untersuchung von Rhesusfaktoren am Institut für Blutgruppenforschung der Universität Wien.

Werke: „Der rassendiagnostische Wert des Humerus. Untersuchungen an Hominiden und Anthropoiden. Phil. Diss.“ (1934), „Ein Beitrag zur Syndaktylie und ihrer Vererbung. In: MAG 53“ (1933), „Anthropologische und morphologische Beobachtungen an der menschlichen Hand. In: MAG 68“ (1938), „Nachtrag zur Vorlesung in der ,Deutschen Gesellschaft zur Rassenforschung‘. In: MAG 67“ (1938), „Ein Beitrag zur Morphologie der Hand. In: Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Rassenforschung IX“ (1938), „Häufigkeiten von Extremitätendefekten. In: Der Erbarzt Nr. 4“ (1938), „Vorläufiger Bericht über rassenkundliche Aufnahmen an Juden. In: Verh. Dt. Ges. Rassenf. X“ (1940), „Praktische Erfahrungen bei der Anwendung der Essen-Möller’schen Formel in Wiener Vaterschaftsuntersuchungen. In: Homo II“ (1951), „Erythrozyten und Serumsmerkmale bei Einwohnern der Kanarischen Inseln. In: Anth. Anz. 31“ (1968).

Entnommen:
Ilse Korotin (Hg): BiografiA: Lexikon österreichischer Frauen. Wien, u.a. 2016 (UA Wien, ÖStA. L.: Aly 1997, Aly/Heim 1997, Dissertationsverzeichnis, Fuchs 1996, Fuchs 2002, Tuppa 197).

Weitere Quellen:
Brigitte Fuchs: Kahlich-Könner, Dora Maria. In: Brigitte Keintzel, Ilse Korotin: Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben – Werk – Wirken. Böhlau, Wien 2002, S. 339–342; Berner, Margit: Letzte Bilder. Die „rassenkundliche“ Untersuchung jüdischer Familien im Ghetto Tarnów 1942. Berlin 2020.

Dora Maria Kahlich-Koenner
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